Möchten Sie den Rundgang wirklich beenden?
DE I EN
Das Zeug zum Erinnern.
Unsere Beziehung zu Objekten
und uns selbst ¬

06. November 2022 - 12. Februar 2023

Das Zeug zum Erinnern.
Unsere Beziehung zu Objekten und uns selbst

06. November 2022 – 12. Februar 2023

Dinge sind Objekte, mit und aus denen wir etwas „machen“. Egal, ob Kleidung, Spielzeug, Maschinen, Utensilien oder Kisten voll mit Krimskrams – sie alle können Erinnerungen, Geschichten und Erfahrungen aktivieren, die für das Individuum und Kollektiv von Bedeutung sind. So begegnen wir in unserem Alltag Gegenständen, durch die sich uns unvermittelt eine Erinnerung aus unserer Kindheit, dem vergangenen Sommerurlaub oder dem Besuch bei den Großeltern aufdrängt. Mit anderen Objekten sind ganze Kulturgeschichten verbunden. Sie stehen dann symbolisch für bestimmte Personengruppen oder eine Ära, wie beispielsweise der Trabant – oder auch „Trabi“ –, der zu seiner Einführung als „Volks“-Wagen der DDR gefeiert worden war, doch durch seine Produktionsschwierigkeiten und Lieferengpässe zu einem Sinnbild der stagnierenden Wirtschaft des Landes wurde.

 

 

 

 

© Michaela Putz
In manchen Fällen imaginieren wir aber auch vermeintliche Erinnerungen und lassen Bezüge zu einem Gegenstand entstehen, die erst durch unsere Vorstellungskraft kreiert worden sind. Dinge sind, so beschreibt es Sherry Turkle treffend, „Güter zum Denken und gut zum Denken“. Die Beziehung des Menschen zu Objekten ist also eine Geschichte des Menschen zu sich selbst.

Die Ausstellung beleuchtet ebendiese Verbindung zwischen dem Menschen und dem Objekt sowie deren Grenzen und Potenziale. Dabei offerieren uns die gezeigten Kunstwerke auf vielfältige Weise die Möglichkeit, die unterschiedlichen Funktionen von Objekten für unsere Erinnerungsprozesse zu erforschen. Sie geben persönliche Einblicke in die Biografien der Künstler*innen, untersuchen die Materialität historischer Diskurse, fordern unsere eigene Gedächtnisfähigkeit heraus und zeigen auf, wie durch unser Zutun Objekte erst „das Zeug zum Erinnern“ gewinnen. Manche der präsentierten Kunstwerke untersuchen die mensch-gemachte Materialität des Objekts und fragen, inwiefern die Nutzung eines Gegenstandes nicht nur Verschleißspuren entstehen lässt, sondern ebenso Spuren von Geschichten. Andere widmen sich der Beziehung von Gedächtnis, Wissen und Imagination. Sie fordern uns auf neue Sinnzusammenhänge entstehen zu lassen, wenn unser Wissen an seine Grenzen stößt. Und auch nationalen und transnationalen Erinnerungskulturen wendet sich eine Auswahl an Kunstwerken zu. Hierbei spielen oft Künstler*innen als Nachfahren von Zeitzeug*innen eine wichtige Rolle.
Was die präsentierten Kunstwerke eint, ist ihre Fähigkeit uns erinnern, imaginieren und staunen zu lassen. Sie zeigen uns auf, wie sehr unser Umgang mit Objekten vor allem etwas über uns selbst aussagt.

Teilnehmende KünstlerInnen

(c) UNTREF / Wikimedia Argentina (CC BY-SA 4.0
Christian Boltanski

Christian Boltanski (*1944, †2021) war ein französischer Bildhauer, Fotograf, Maler und Filmemacher. Ab 1986 schuf Boltanski Installationen aus gemischten Medien und Materialien, bei denen das Licht ein wesentliches Konzept ist. Er arbeitete mit Blechdosen, Fotografien und Glühbirnen sowie mit Kleidern und schuf altarähnliche Konstruktionen und Räume, die als tiefe Kontemplation über die Rekonstruktion der Vergangenheit dienten. 
Boltanski nahm an über 150 Kunstausstellungen in der ganzen Welt teil. Unter anderem hatte er Einzelausstellungen im New Museum (NY), dem Kunstmuseum Liechtenstein, La Maison Rouge Paris, Magasin 3 in Stockholm und vielen anderen.

Jan Borreck
Jan Borreck

Jan Borreck(*1985) studiert Fotografie an der FH Bielefeld. Sein Interesse gilt dem Material der Fotografie und der Frage, wie man das Medium verarbeitet und wie die Botschaft und Bedeutung von fotografischen Projekten transportiert und darstellt werden. In Flohmarkthallen sucht er nach vergessenen Fotografien und Bilderrahmen und stellt ihnen in einer Art forensischen Spurensuche Fragen der Materialität und Erinnerung. Im Mittelpunkt weiterer Kunstprojekte stehen langfristige Selbstporträtserien mit biografischen Themen. Ein wiederkehrendes Thema ist die Wahrnehmung des Körpers durch die von Alopecia areata erzwungenen Veränderungen.

Sara Cwynar

Sara Cwynar (Vancouver, Kanada, 1985) lebt und arbeitet in Brooklyn, NY. Sie besitzt einen MFA der Yale University, New Haven, einen Bachelor of Design der York University, Toronto, und studierte Englische Literatur an der University of British Columbia, Vancouver.
Sara Cwynars Filme und Fotografien werden als Anknüpfung an das Erbe der Pictures Generation der 1980er Jahre beschrieben. Die Künstlerin interessiert sich dafür, wie Design und populäre Bilder auf unsere Psyche wirken und wie visuelle Strategien in unser Bewusstsein eindringen.
Ausgewählte Ausstellungen sind unter anderem: „Source“, Remai Modern, Saskatoon, SK, Kanada (Einzelausstellung) (2021); „Collection 1970s-Present: Search Engines“, MoMA, New York, NY (2020/21); „Sara Cwynar“, The Aldrich Contemporary Art Museum, Ridgefield, CT (solo) (2019).
Cwynars Werke befinden sich unter anderem in den ständigen Sammlungen des Guggenheim Museums, New York; MoMA, New York; MMK Museum für Moderne Kunst, Frankfurt; SFMOMA, San Francisco; Centre Pompidou, Paris.

Cinzia Delnevo

Cinzia Delnevo hat einen Master-Abschluss in Bildender Kunst von der IUAV Universität in Venedig und einen Bachelor-Abschluss von der Akademie der Schönen Künste in Bologna. In ihrer künstlerischen Praxis entwickelt sie Strategien für den Zugang zu kollektiven/epochalen Ereignissen, jedoch durch den Filter subjektiver und intimer Perspektiven. Sie nutzt Video, Fotografie, kontextbezogene Installationen und Zeichnungen an der Schnittstelle zwischen dem privaten und dem öffentlichen Raum. Ihre Arbeiten wurden im IstStor in Rom, im M-Museum in Leuven, in der Galerie L’Entrepot im Fürstentum Monaco, im Projektraum Römerstraße und im Schauspiel in Stuttgart sowie während der Einzelausstellung „I dreamt of a Posidonia prairie“ und der dreiwöchigen kollektiven Zeichenperformance in der Fruit Gallery in Bologna ausgestellt.

Sinje Dillenkofer

Sinje Dillenkofer (geb. 1959 in Neustadt an der Weinstraße) ist eine deutsche bildende Künstlerin und Fotografin. Die Künstlerin lebt und arbeitet in Berlin und Stuttgart. Sie diplomierte 1988 an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart und ist seither freischaffend tätig. Ihre Arbeiten waren in nationalen und internationalen Ausstellungen zu sehen, u.a. im Victoria & Albert Museums London (seit 2018), der NO’PHOTO Biennale de la photographie in Genf (2021) und dem Muséum-Aquarium de Nancy (2020). Dillenkofers Kunst ist in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten. Ihre Bilder sind das Ergebnis künstlerischer Untersuchungen von Wahrnehmung und nehmen Bezug zu kulturellen, politischen und sozialen Verhältnissen der westlichen Gesellschaft. Mit Beginn der Serie der CASES 1999 wird das Archiv und seine künstlerische ‚Verlebendigung‘ zu Dillenkofers Thema und das Museum als Ort und Speicher des größten kollektiven Gedächtnisses immer wieder zum Ausgangspunkt Ihrer vielschichtigen Forschungen.

Johannes Gramm

Johannes Gramm, geboren 1964 in Essen, lebt und arbeitet im Ruhrgebiet und im niederländischen Zeeland. Er studierte Philosophie, Germanistik, Mathematik, Malerei, Grafik und Fotografie bei László Lakner und Helmut von Arz an der Universität Essen. Zahlreiche Ausstellungen, Bühnenbilder und Performances im In- und Ausland. Mit einer künstlerischen Plakataktion – verschiedene Motive aus einer Selbstportraitserie in verfremdender Bearbeitung – trat Johannes Gramm als parteiloser Direktkandidat bei der Bundestagswahl 2013 für den Wahlkreis Essen III an. 2021 erschien sein Buch „Dinge“, ausgezeichnet mit dem Deutschen Fotobuchpreis in Silber. 2022 erhielt er das Arbeitsstipendium des Kunstfonds Bonn.

Chris Harrison

Chris Harrison ist ein Fotokünstler aus dem Nordosten Englands. In seinen Arbeiten kombiniert er Bild und Text, um Ideen von Heimat, Geschichte und Klasse zu erforschen, wobei er die Erinnerung und das Erzählen von Geschichten in den Mittelpunkt seines Schaffens stellt. Bevor er seinen MA-Abschluss in Fotografie am Royal College of Art machte, arbeitete er im Alter von 15 Jahren als Lehrling in einer örtlichen Werft. Seine Arbeiten wurden auf zahlreichen Ausstellungen gezeigt, u. a. beim Arles Photo Festival, im Barbican, in der Tate Britain, im Deutschen Historischen Museum und im Imperial War Museum. Seine Fotografien befinden sich u. a. in den Sammlungen des V&A Museum, des Imperial War Museum und des National Media Museum. Harrison lebt in Norwegen und ist Mitglied des Fri Fotografers Forbund und des Bjørka Kollektivs. Derzeit ist er Leiter für Fotografie an der Bilder Nordic School of Photography in Oslo.

8.-Damian-Heinisch_web3
Damian Michael Heinisch

Damian Michael Heinisch wurde 1968 in Polen geboren und wuchs in Deutschland auf. Er hat einen Master-Abschluss von der Folkwang Universität der Künste in Essen. Seit seiner Übersiedlung nach Norwegen im Jahr 2001 ist er als Lehrer und Mentor in mehreren führenden Bildungseinrichtungen Norwegens tätig. Er erhielt mehrere Stipendien, seine Arbeiten wurden vielfach ausgestellt und sind unter anderem in der Sammlung des Victoria and Albert Museum in London vertreten. Heinischs erstes Buch „45“ wurde mit dem „Mack First Book Award“ ausgezeichnet. 2021 folgte die Veröffentlichung der vier Bücher „Erde, Feuer, Wind, Wasser“. Er ist Repräsentant für Leica in Norwegen.

Barbara Iweins

Barbara Iweins ist eine belgische Fotografin, die ihre künstlerische Laufbahn in Amsterdam begonnen hat, wo sie seit einigen Jahren lebt. Als Sammlerin seit ihrer Jugend klassifiziert, sammelt und archiviert Barbara Iweins ihre fotografischen Objekte nach strengen Kriterien.
Fasziniert von der Verletzlichkeit des Menschen, verbringt sie ihre Zeit damit, die Grenzen des Intimen zu erweitern wie in ihrer Serie „Au coin de ma rue“, in der sie Stück für Stück in das Privatleben von Fremden eindringt. Oder ihr Projekt 7AM/7PM, bei dem sie dieselben Fremden zum Übernachten zu sich nach Hause einlud, um die Unschuld und Zerbrechlichkeit in dem Moment einzufangen, in dem sie aufwachen. Ihre Serie „Bath“, in der sie Momente stiller Einsamkeit einfing, charakterisiert ihre Suche nach Unschuld und der Schönheit im Unvollkommenen. Seit ihrer Rückkehr nach Brüssel hat sie sich in ihre eigene Welt zurückgezogen, wo sie wie eine Einsiedlerin lebt und an ihrem neuen Projekt KATALOG arbeitet. Es ist das erste Mal, dass sie ihr Privatleben als Fallstudie verwendet.

Michaela Putz

Michaela Putz (*1984) absolvierte ihr Masterstudium an der Universität für angewandte Kunst in Wien. Ihr Fokus liegt auf fotografischen Bildern, Found-Footage-Archiven und (Zukunfts-)Erinnerungen. Ihre Arbeiten wurden in verschiedenen Galerien und Institutionen in Österreich und im Ausland gezeigt, unter anderem Bildraum 01 (solo, AT), Ars Electronica Festival (AT), Unseen Amsterdam (NL), Vent Gallery / Parallel Vienna (AT), Espacio de Arte Contemporáneo (URY), Biquini Wax EPS (MEX), Beton 7 / Athens Photo Festival (GRC), U10 Artspace (SRB), a ilha (PRT), Yassi Foundation (IRN). Ihre Arbeiten wurden mit mehreren Stipendien und Preisen ausgezeichnet, darunter das Start-Stipendium (Bundeskanzleramt Österreich, 2019) und der Jahrespreis für Bildende Kunst (Burgenland, 2018). Michaela Putz lebt und arbeitet in Wien.

Das Museum Villa Rot bedankt sich für die Unterstützung

Die Museumspädagogik
wird gefördert von