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Mi - Sa : 14 – 17    So + Ft : 11 – 17

88483 Burgrieden – Rot
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Geschichte

/01/   Gebäude und Park

Die Villa wurde 1912 von Raymund von Fugger (1870 – 1949), der einer Nebenlinie der Augsburger Fugger entstammte, auf der Anhöhe, ins Tal der Rot blickend, erbaut. Der Architekt Balthasar von Hornstein-Grüningen (1873 – 1920) band den vorhandenen, alten Baumbestand in die Planung des Parks mit ein und es entstand ein Landschlösschen, Fuggerschlösschen genannt, im Stilpluralismus mit gekonnt gemischten barocken, klassizistischen und Jugendstil-Elementen.

Alexandra von Hornstein (1903 – 1932), die aus dem benachbarten Schloss Orsenhausen stammte, erwarb 1925 das Anwesen, das leer geräumt übergeben wurde. Sie lebte zusammen mit Feodora Christ, einer Schulfreundin aus gemeinsamen Internatsjahren, bis zu ihrem Freitod im Schlösschen.

/02/   Stifter und Sammler

Im Jahr 1933 übernahm Feodora Christ das reiche Erbe von Alexandra von Hornstein – das Fuggerschlösschen mit Inventar und anderen Vermögensteilen – und heiratete den Musiker und angehenden Dirigenten Hermann Hoenes. Hermann Hoenes (1900 – 1978) und seine Frau Feodora (1903 – 1983) bewohnten in den folgenden Jahrzehnten bis zu ihrem Tod Haus und Park.

Sie machten die Villa nach 1945, kaum bemerkt von außen, zu einer stillen Stätte der Musik und Kunst, zu einem Zentrum für einen bedeutenden, oft von weit her anreisenden Freundeskreis. Doch der Rückzug in das stille Tal der Rot war für den weltgewandten jungen Dirigenten Hoenes, dem eine bedeutende Karriere vorhergesagt wurde, mit einem hohen Preis erkauft: mit dem in der Zeit des Nationalsozialismus erzwungenen Verzicht auf seinen » idealen « Beruf des Dirigenten.

Hermann Hoenes besaß bereits Ende der zwanziger Jahre im deutschen Musikleben als Cellist und Mitglied bekannter Orchester und Quartette einen klangvollen Namen. Er wirkte von 1932 bis 1935 als Cellist und stellvertretender Dirigent im Reichssymphonie-Orchester. Noch das Entlassungsschreiben bestätigt die Qualifikation von Hoenes und seine Fähigkeit, große Orchester mit viel Erfolg, viel Geschick und musikalischem Verständnis zu dirigieren. Seine häufigen Konzerte im Rundfunk fanden aufmerksame Zuhörer. Orchester, die auch nur kurzzeitig unter seiner Stabführung gearbeitet hatten, drückten Hoenes ihre » unumschränkte Bewunderung – in musikalischer wie menschlicher Beziehung « aus.

Es entzog sich seinem Wissen, dass er auf direkte Weisung der Parteileitung in München seinen Abschied aus dem Reichssymphonie-Orchester nehmen musste. Freunde aus dem Musikleben setzten sich für ihn ein und er konnte auf Empfehlungen namhafter deutscher Dirigenten verweisen.

Die Zeit der Entlassung von Hermann Hoenes fiel zusammen mit der Verschärfung der Rassegesetzgebung im Dritten Reich. Er wurde als » jüdischer Kulturschänder « diffamiert. Hoenes selbst bezeichnete sich als » angeblichen Juden «. Er fiel nicht ausdrücklich unter die » Rassegesetze « von 1936, die sein Leben physisch bedroht und ihm keineswegs den Rückzug nach Rot ermöglicht hätten. Eventuell stammte er – die Quellen erlauben leider keine eindeutige Rekonstruktion – von jüdischen Vorfahren ab.

/03/   Museum

Die Kunstsammlung des Ehepaar Hoenes, das Anwesen mit Park einschließlich aller Vermögenswerte wurden von Feodora Hoenes in eine Museumsstiftung – die Hoenes-Stiftung – eingebracht. Aus dem Fuggerschlösschen wurde die Villa Rot und am 28. August 1992 konnte das Museum Villa Rot seine Tätigkeit aufnehmen.

Die vom Ehepaar Hoenes angelegte Kunstsammlung, die heute zum Bestand des Museums gehört, entstand in den dreißiger Jahren mit der Sammlung asiatischer Kunst durch Hermann Hoenes, als ein verengter Blickwinkel nur » nationales Kunstschaffen « gelten lassen wollte.

Heute erweist sich die Idee der Sammlung Hoenes, der Versuch, eigene wie fremde Kulturen in ihrer ge­meinsamen Aussage zu verstehen, als zeitgemäß – ihre Botschaft der kulturellen Toleranz als zukunfts- weisend. Das Leitmotiv des Museums » Begegnung der Kulturen « entstand aus diesem Ansatz heraus.