Jäger und Gejagte - Insekten in der Gegenwartskunst
25. März - 17. Juni 2012
Bis heute üben die Geheimnisse der Natur eine ungebrochene Faszination auf den Menschen aus. Seit jeher haben sich Künstlerinnen und Künstler mit der Erscheinungsvielfalt von Flora und Fauna beschäftigt. Ihre Werke verherrlichen, interpretieren, hinterfragen und kommentieren jene Teile der Natur, die als Sinnbilder von Schöpfung, Fruchtbarkeit, Schönheit, Vergänglichkeit und Tod die Widersprüche des Lebens aufzeigen.
Das Interesse an der Tierwelt bleibt auch in der Gegenwartskunst ungebrochen. Denn in unserer mediengeprägten Informationsgesellschaft und technologisch manipulierten Welt sind uns natürliche Lebensräume vielfach fremd geworden. Es bedarf einer bewussten Rückbesinnung, um die Natur als eine eigengesetzliche, beständige und zugleich bedrohte Wirklichkeit im unaufhaltsamen Fluss der elektronischen Zeit neu zu erfahren. Diese Rückbesinnung leisten unter anderem jene Künstlerinnen und Künstler, die sich in ihrem Werk mit Lebewesen befassen, die sich unserer alltäglichen Wahrnehmung vielfach bereits entzogen haben. So steht im Zentrum dieser Ausstellung die artenreichste
Klasse der Tiere überhaupt: die Insekten.
Nutzen und Schaden, Fluch und Segen bestimmen seit über 3000 Jahren die Beziehung zwischen Mensch und Insekt. Klein und lästig, aber auch faszinierend schön in Farb- und Formenvielfalt rufen sie bis heute die unterschiedlichsten Reaktionen hervor. In dieser Ausstellung bringen ausgewählte künstlerische Positionen zum Ausdruck, wie differenziert die Interpretation und Darstellung der Kerbtiere in Fotografie, Zeichnung, Skulptur und mediengestützter, interaktiver Installation sein kann.
Die Metamorphose, die Verwandlung vom Unscheinbaren zur vergänglichen Pracht, wie sie schon im Barock als Vanitas-Motiv der Stillleben in Erscheinung tritt, beschreibt nur ein Motiv in einer Vielzahl ikonologischer Fragestellungen und formal-ästhetischer Beobachtungen. In etlichen Werken schlüpft der Künstler in die Rolle des Naturwissenschaftlers, werden Realitätserkundungen und das Verhältnis zwischen Mensch und Insekt, Natur und Zivilisation, werden biologische Lebensprozesse, Mutationen, Genmanipuationen und kulturelle Bedeutungen zum gestalterischen sowie konzeptionellen Thema.
Angesichts von Umweltkatastrophen, Klimawandel, Bevölkerungsexplosion und Artensterben erscheint die Auseinandersetzung mit der Natur, ihrem verletzlichen ökologischen Gleichgewicht und ihrer Vergänglichkeit hochgradig aktuell. So bietet die Vielfalt der Exponate, Materialien und Techniken in dieser Ausstellung auch einen Exkurs über die Wahrnehmung und das Begreifen unserer Zeit.
Die Künstler
Jennifer Angus (USA)
Jana Eske (Deutschland)
Jan Fabre (Belgien)
Lili Fischer (Deutschland)
Tessa Farmer (Groß-Britannien)
Kirsten Geisler (Deutschland)
Douglas Gordon (Groß-Britannien)
Cornelia Hesse-Honegger (Schweiz)
Sanna Kannisto (Finnland)
Cyrill Lachauer (Deutschland)
Polonca Lovsin (Slowenien)
Joanna Maxellon (Polen/Deutschland)
Katharina Meldner (Deutschland)
Bärbel Rothhaar (Deutschland)
Günther & Loredana Selichar (Deutschland/Österreich)
Christa Sommerer & Laurent Mignonneau (Österreich/Frankreich)
Lucy Powell (Groß-Britannien)
Eva Teppe (Deutschland)
Mark Thompson (USA)
Evgenija Wassilew (Bulgarien)
Liao Wenfeng (China)
Anna Werzowa (Östereich)
Zur Ausstellung erscheint ein zweisprachiges Katalogbuch (dt/engl).
Im Spiegel der Erinnerung - 100 Jahre Villa Rot
15. Juli - 30. September 2012
Im Spiegel der Erinnerung möchte die Ausstellung die 100jährige Geschichte des Hauses und seiner Bewohner beleuchten und wieder aufleben lassen. Originale Einrichtungs- und Kunstgegenstände, Briefe und Handschriften, Fotografien, Filme und andere Zeitdokumente aus dem Leben von Alexandra von Hornstein, Feodora und Hermann Hoenes dienen als Ausgangsmaterial einer biographischen Spurensuchen. Mit Annatina Graf und Nataly Hocke wurden zwei zeitgenössische Künstlerinnen eingeladen, die mit Ihren Interventionen die Zeitgeschichte in der Villa Rot lebendig erscheinen lassen.
Die Ausstellung zeigt zeitgenössische Positionen, die als plastische Wandarbeiten, frei stehende Skulpturen und ausgedehnte Rauminstallationen in Erscheinung treten. Sie thematisiert die vielfältigen Anwendungsbereiche und das kulturübergreifende Interesse am Werkstoff Wachs. Von der Enkaustik, die als eine der ältesten Maltechniken ihre Blütezeit in der griechisch-römische Antike erlebte, bis hin zur Entwicklung freier assoziative Formen, interaktiver Rauminstallationen und Prozesskunst bietet die Ausstellungen einen vielseitigen Einblick in den künstlerischen Umgang mit Material und seiner inhaltlichen Bedeutung.