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Winterbilder ¬
Jakob Bräckle

Winterbilder ¬

07/12/03 – 01/02/04

Jakob Bräckle – Winterbilder

:Jakob Bräckle zählt zu den bedeutenden Landschaftsmalern des 20. Jahrhunderts, dessen Werk mit der Landschaft und der bäuerlichen Kultur Oberschwabens eng verbunden ist. Die großen »Winter-bilder«, die überwiegend ab den 60er Jahren entstanden, nehmen innerhalb seines Werkes einen besonderen Rang ein, findet er hier doch mit den Mitteln der Abstraktion zum Ausdruck einer neuen und übergeordneten Wirklichkeitserfahrung.

Von den gut 4.000 Bildern Bräckles, von denen wir heute ausgehen, sind etwa 3.600 im Freien entstanden, die meisten zwischen 1935 und 1945. Für die im Freien entstandenen Bilder wird Bräckle geliebt, für die im Atelier entstandenen, erhielt er seine künstlerische Anerkennung.

Jakob Bräckle, 1897 als Bauernsohn in Winterreute bei Biberach geboren, lebte bis zu seinem Tod 1987 in Biberach. Eine Pockenimpfung im Alter von zwei Jahren führt zu einer lebenslangen Gehbehinderung und verhindert, dass er als Bauer in die Fußstapfen der Vorfahren tritt. Von den Eltern ermutigt wird Bräckle Maler. Er besucht die Stuttgarter Kunstakademie von 1918-1923, kehrt aber danach in seine Heimat zurück, es zieht ihn nicht in die Ferne.

Bräckle, ein Künstler von großer Eigenständigkeit, hat natürlich auch von Künstlern vor ihm gelernt, ab 1930 vor allem von dem Holländer Vincent van Gogh, ab 1952 von dem Russen Kasimir Malewitsch. Mit Vincent van Gogh teilt er das Glück in der Natur zu arbeiten, die Nähe zum dörflichen Milieu und eine religiöse Einstellung zur Schöpfung. Die Nachkriegszeit zwingt Jakob Bräckle in eine lange währende Krise. Er zieht sich auf sich selbst zurück und sucht unter dem Eindruck der abstrakten Malerei nach einer zeitgemäßen Formensprache.
Die Begegnung mit dem Werk von Kasimir Malewitsch führt ihn auf den Weg in die Abstraktion. In diesem Prozess verliert er die Bindung an das Dorf und seine Wertschätzung für die Bauern. 1964 malt er zum letzten Mal Ernteleute im Einsatz. In den folgenden 20 Jahren, bis zum Schluss seines langen Schaffens, kommt er ohne die menschliche Figur aus. Die so entstehende Ordnung vermittelt den Eindruck großer Klarheit und innerer Stimmigkeit.

Nahsicht prägt die frühen Gemälde, Überblick die späteren. In der schneebedeckten Landschaft schafft die Natur ein abstrahiertes Bild von sich selbst. Hier ist Bräckle noch in der Natur und zugleich in einer neuen Bildsprache. Hinter diese Reinheit der monochromen Flächigkeit geht Bräckle nicht mehr zurück. Der Verlust der bäuerlichen Welt wird spürbar, lediglich die Felder bleiben für Bräckle ein Ort der Geborgenheit. Dafür gewinnt er das Moment der Überzeitlichkeit.
Mittels der monochromen Flächen überwinden seine Bilder das Zufällige und suchen nach einer Ordnung, die Dauer vorstellbar macht. Für Jakob Bräckle ist das abstrahierte Bild nahe an der Meditation.

Seine Naturbetrachtung hat nicht zuletzt auch Anregungen aus der ostasiatischen Landschaftsmalerei erhalten, die Bräckle durch den Biberacher Arzt, Dr. Gustav Laib, kennenlernt, mit dem er seit 1958 über Jahrzehnte freundschaftlich verbunden blieb. Daneben befasste sich Jakob Bräckle mit dem Buch »TAO TEH KING« des chinesischen Weisen Laotse aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. Die Ausgabe aus dem Jahre 1921 zeigt viele Gebrauchsspuren und mit Bleistift angestrichene Stellen. Offensichtlich findet Bräckle hier ausgedrückt, was er sich auf seinem ganz eigenen Weg errungen hatte. Mit Worten Laotses versucht Jakob Bräckle seine späten ungegenständlichen Bilder zu erklären:

„Wenn ich auch Natur gestalte, so ist doch mein Schaffen von äußerer Ähnlichkeit weit entfernt. Das Gegenstandslose hat für mich selbst bis heute nur dann einen Wert, wenn es in der Natur selbst liegt, was häufig in der entmaterialisierten Schneefläche in Erscheinung tritt. Darum sind auch meine Schneebilder der gegenstandlosen Welt am nächsten. Hier ist bei mir aber keine Absicht, sondern nur die Natur in ihrer Tiefe gesehen. In dieser Tiefe liegt aber immer etwas Unwirkliches, etwas Geheimnisvolles, und nur das macht das Bild zum Kunstwerk, und das Kunstwerk vermag, wenn wir der Bildsprache folgen, uns in eine höherer Welt zu führen, und das allein ist der Sinn der Kunst“ (Jakob Bräckle, 1957)

„Der Einfachheit meiner heutigen Arbeiten liegt nichts anderes zugrunde, als dem absolut Geistigen näher zu kommen, und es ist mir bewusst, dass man sich mit meinen jetzigen Arbeiten, um sie genau zu erfassen, mehr beschäftigen muss, weil sie vom Gegenständlichen aus gesehen, nicht viel erzählen. Auch Laotse sagt ‚Der große Geist ist sehr einfach und ist nur im Innern zu erkennen‘. Das Dauerhafte in der Kunst kann nur im Geistigen, in der Schönheit des Ewigen liegen.“
(Handschriftliche Aufzeichnung Jakob Bräckles, um 1967)

Das Museum Villa Rot kann damit in der Person Jakob Bräckles auf überraschende Weise an sein Thema „Begegnung der Kulturen“ anknüpfen

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Preise

Erwachsene 6,00 €
StudentInnen, SeniorInnen, Schwäbische Zeitung AboKarte, Gruppen ab 10
Personen 4,00 € p.P.
SchülerInnen 1,50 €
Familien 10,00 €

Öffnungszeiten

Sa 14 – 17 Uhr I So u. Ft  11 – 17 Uhr
Café: Sa, So u Ft ab 14 Uhr
Geschlossen: Karfreitag, Heiligabend, 1. Weihnachtsfeiertag, Silvester
Für Gruppen und Schulklassen sind Führungen jederzeit auch außerhalb der Öffnungszeiten möglich.
Das Museum Villa Rot ist im Erdgeschoss barrierefrei zugänglich.

Anfahrt

Museum Villa Rot
Schlossweg 2D
88483 Burgrieden – Rot
T : +49 (0) 73 92 / 83 35
F : +49 (0) 73 92 / 1 71 90
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