
: Mit dem Projekt >>Buden<< befasst sich das Museum Villa Rot erstmals mit einem außergewöhnlichen Phänomen der
Jugendkultur in Oberschwaben, das mittlerweile zu einem
unverzichtbaren Teil des ländlichen Lebens geworden ist.
Für junge Leute gestaltet sich das Leben auf dem Land oft eintönig. Weil
die Dorfwirtschaft und der Sportverein keine geeigneten Alternativen bieten,
erfüllen sich einige engagierte Jugendliche den Traum eigener Räumlichkeiten:
In stillgelegten Scheunen, ausrangierten Bauwagen oder ausgedienten
Kartoffelkellern richten sie sich ihre Unterkünfte ein und nennen
das Geschaffene >>Bude<<. In ihren Buden können sie ungestört sein und
ihre Freizeit nach eigenen Vorstellungen gestalten. Heute gibt es in fast
jedem Ort, jedem Dorf in Oberschwaben eine solche Bude, oft sogar
mehrere in einer einzigen Gemeinde. Insgesamt dürften es rund 200 sein.
Was als illegales Unternehmen begann, hat sich zu einem politisch
geduldeten, ja legalisierten Phänomen entwickelt, das sich positiv auf die
regionale Jugendarbeit ausgewirkt. Denn anders als in den städtischen
getragenen Jugendhäusern sind die Buden mit samt ihrem Inventar immer
im Privatbesitz der ortsansässigen Jugendgruppe. Die Unterkünfte sind mit
eigenen Mitteln und eigenem körperlichen Einsatz errichtet und eingerichtet
worden. Es gibt Hausordnungen, Schlüsselgewalt, geregelte Öffnungszeiten und ein aktives
Engagement der jungen Leute bei der Pflege lokaler Traditionen in der Dorfgemeinschaft. Mit
den Buden hat sich eine autonome Subkultur entwickelt, die die Sozialisierung im ländlichen Raum
positiv beeinflusst und die Jugendlichen zur Verantwortung erzieht.
Mit dem Ausstellungsprojekt werden in einer Zusammenarbeit zwischen den Künstlern Rolf Giegold,
Christian Hagemann, Rolf Wicker, Simon Gallus, und Henry M. Linder, die zum Teil
selbst aus Oberschwaben stammen, dem Ludwig-Uhland-Institut für empirische Kulturwissenschaften
der Universität Tübingen und ausgewählten Vertretern der Budengruppen die Eigenarten
jener Jugendkultur herausgearbeitet und photografisch, bildnerisch, skulptural und installativ im
Museum Villa Rot und im Parkgelände präsentiert.
Die Ausstellung wird durch ein umfassendes Katalogbuch, das die wissenschaftlichen und künstlerischen Beiträge dokumentiert, und durch ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm begleitet.
Schirmherr der Ausstellung ist Martin Gerster, Mitglied des deutschen Bundestages
: Eröffnung / So / 11. Juli / 11 Uhr
Die Künstler
Simon Gallus
Corina Gerling
Rolf Giegold
Christian Hagemann
Henry M. Linder
Hermann Josef Müller
Rolf Wicker
Mit freundlicher Unterstützung von:

Den Folder zur Ausstellung können Sie hier herunterladen. [PDF]