
: In unserer erlebnisorientierten Gesellschaft sind Kochen, Essen und Trinken in den letzten Jahren zu Topthemen geworden. Das Material Nahrungsmittel ist in der zeitgenössischen Kunst gleichermaßen überreich vertreten. Doch Speis und Trank haben als Thema mit kulturanthropologischer Bedeutung in der Kunstgeschichte eine Jahrhundert alte Tradition, die von antiken Wandmalereien über das barocke Vanitas-Stillleben bis in die Moderne reicht. Damals wurden die Lebensmittel vorwiegend in Öl auf Leinwand angerichtet. Erst die Künstleravantgarde des 20. Jahrhunderts ging dazu über, alimentäre Werkstoffe direkt zu servieren, um dadurch zu einer radikalen Überwindung des traditionellen Kunstwerk-Status beizutragen. Während bis ins 20. Jahrhundert nur selten Nahrungsmittel verarbeitet wurden, waren es vor allem Süßigkeiten, die seit dem Mittelalter als plastisches Material für opulente Inszenierungen wiederholt Verwendung fanden. Denn Zucker diente bis zum Beginn der Industrialisierung als luxuriöses Genussmittel und Statussymbol mit hohem sozialem Prestige. Heute sind aus Süßwaren billige Massenkonsumartikel geworden.
Unter dem Titel >> In aller Munde – Süßwaren in der Kunst << befasst sich die Ausstellung im Museum Villa Rot mit einem künstlerischen Material, das als >>Momento mori et vivendi<<an der elementaren Schnittstelle von Kunst und Leben steht: Den Süßwaren. Die Ausstellung ist nicht enzyklopädisch angelegt, sondern konzentriert sich anhand unterschiedlicher künstlerischer Positionen auf verschiedene, formal und inhaltlich differenzierte Themenaspekte. Sie zeigt Zuckerzeug als plastischen Werkstoff für Bilder, Skulpturen und Rauminstallationen, die nicht nur durch ihre ästhetischen Reize verführen, sondern auch den Geruchssinn und unser Geschmacksgedächtnis aktivieren. Sie beleuchtet kritisch den inflationären Zuckerkonsum und die lustbetonte Genusssucht in unserer westlichen Überflussgesellschaft. Sie zeigt die Kehrseiten des alimentären Wohlstands und rückt mit einem Blick nach Lateinamerika sowohl die Kulturgeschichte des Zuckers, seine sozial und ökologisch bedenklichen Produktionsbedingungen als auch seine religiös-rituelle Verwendung im Kontext volkstümlicher Traditionen ins Zentrum der Aufmerksamkeit.
: Eröffnung / So / 21. März / 11 Uhr
Die Künstler
Sonja Alhäuser (Deutschland)
Peter Anton (USA)
Günther Beier (Deutschland)
Götz Bury (Österreich)
Ulrik Happy Dannenberg (Deutschland)
Caetano Dias (Brasilien)
Heribert Friedl (Österreich)
Nora Millan (Mexiko)
Mika Ninagawa (Japan)
Thomas Rentmeister (Deutschland)
Dieter Roth (Schweiz)
Nina Rike Springer (Österreich)
Miriam Urbano (Mexiko)
Alberto Zamora Ruiz (Mexiko)
Richard Zela (Mexiko)
Mit freundlicher Unterstützung von:

Den Folder zur Ausstellung können Sie hier herunterladen. [PDF]